ehemaliges Highlight im Dorf: das Saustallfest

Seit Generationen werden in Mainzweiler die verschiedensten Brauchtümer weiterge-
geben und gepflegt. Als Hüter dieser alten Dorftraditionen hat sich vor einigen Jahren
der "Bierebaam e.V." gegründet, dessen Ursprung in der Straußjugend liegt.
Zu diesen alten Traditionen gehören u.a. die "Quackbuwe, Straußbuwe und die
Borremäde".
Auch die alte Tradition des "Martinsfeuers und Martinsumzugs" wurde wieder ins Le-
ben gerufen. Aber auch neuere Angebote wie das Ostereiersuchen für die Kinder und
die mittlerweile über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannte Veranstaltung "Sau-
stallfest"
finden starken Anklang bei der Bevölkerung.

Rü-Jupp-Mix auf dem Saustallfest im Jahre 1999



"Wannerschdach" - ein alter Brauch unserer Heimat

Haut eß mai Wannerschdach,
more eß mai Ziel,
se esse geret wenich
unn schaffe mour äich viel!


So beginnt ein Wannerschdachlied aus dem Hunsrück. Noch heute wird in verschie-
denen Gemeinden des Hunsrücks und des Ostertales dieser Wannerschdach" gefeiert.
Vor dem 2. Weltkrieg war er in vielen Gemeinden,so auch in Mainzweiler, das Fest
des Jahres.
Am 27. Dezember, dem Tag nach Weihnachten, feierten die Mädchen und die Jungen
des Dorfes diesen beliebten Tag.
Seit jeher wechselte das männliche und das weibliche Gesinde an diesem Tag seine
Stellung. Schon Ende November, d. h. wenn die Arbeit auf dem Felde verrichtet war,
gingen die Mädchen abends zur "Maie". Sie strickten Strümpfe, Pullover oder brach-
ten das Spinnrad mit, um Wolle zu spinnen. Die Jungen des Dorfes kamen dazu und
spielten Karten. Auch die Ausgestaltung des Wannerschdaches war das Gespräch der
abendlichen Dorfmaie. Wenn dann der lang ersehnte Festtag endlich herangerückt
war, wurde in keinem handwerklichen Betrieb gearbeitet, sondern man traf sich mit
der bäuerlichen Jugend, die um diese Jahreszeit nur mit der Arbeit im Stall oder der
Scheune beschäftigt
war, um den "Dorffeiertag" gebührend zu feiern.
Man hatte schon ausgekundschaftet, wer in diesem Jahr seine Arbeitsstätte wechseln
wollte oder aber, wer weiter im Dienste seines Bauern blieb. Das Gesinde hatte
selbstverständlich diesen Nachmittag frei. Schon sehr früh zogen die Burschen in die
Häuser, in denen Dienstpersonal beschäftigt war, um die "Kiste" zu rücken. Blieb das
Gesinde weiter bei seiner Herrschaft, begaben sich die Burschen in die Schlafkammer
und schoben die Holzkiste, in welcher die Kleider und der sonstige Besitz waren, als
Symbol für diesen Tag, von einer Ecke in die andere. War keine Holzkiste vorhanden,
so wurde ein anderes Möbelstück umgestellt. Dann begab man sich in die Küche des
Dienstherren und ließ sich gastlich bewirten. Es gab Brot, Hausmacherwurst, Gebäck
und der beliebte"Gehannestrauwe oder Troschele Wein" fehlte auch nicht.
Für den Bauern war es eine Selbstverständlichkeit den Burschen gut aufzutischen,
denn er wusste, dass es unliebsame Folgen haben konnte, wenn die jungen Leute
nicht gastfreundlich bewirtet wurden. Nach einiger Zeit zog man dann zum nächsten
Hause und nahm das Gesinde, dem man zuletzt die Kiste 'gerückt hatte, mit. Der
Kreis vergrößerte sich immer mehr. Wollte eine Magd oder eine Knecht wirklich wech-
seln, wurde die Holzkiste auf einen bereitge stellten Wagen des Bauern geladen, mit
dem sie zur nächsten Stellung gebracht wurde.
Von dem "Scheidenden" wurde eine Geldspende kassiert, die im Wirtshaus des Ortes
in Bier oder Schnaps umgesetzt wurde. Wechselte jedoch jemand in einen anderen
Ort, so gaben die Burschen dem Scheidenden das "Geleit". Dabei versäumte man wie-
derum nicht, im Nachbarort einzukehren, um sich zu stärken.
Manches Mädchen hatte beim Abschied Tränen in den Augen, denn meistens galt es
nicht nur seine Stellung zu verlassen, sondern auch seinen Schatz. Auch hatte man oft
mehrere Jahre im Ort gedient und sich bei der Dorfjugend wohlgefühlt. Traf das neue
Gesinde ein, so wurde es gebührend begrüßt, und bei Sang und Tanz wurden die neu
im Ort Angekommenen gleich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen und das Einle-
ben ihnen hierdurch wesentlich erleichtert. Mitunter kamen die Mädchen und Jungen
von benachbarten Dörfern, um am "Wannerschdach" teilzunehmen.
Gertrud Mannsmann (90 Jahre), ehemals Besitzerin des gleichnamigen Wirtshauses in
Mainzweiler kann sich noch gut an die Zeit erinnern. In den 30iger Jahren, als Sie
selbst noch eine junge Frau war, war in dem Gasthaus ihrer Eltern und ganz beson-
ders in dem angegliederten Saal ein großes Fest mit Musik und Tanz.

Diesen Brauch will der Bierebaam e.V. und Ortsvorsteher Udo Zägel in
Mainzweiler wieder aufleben lassen.